Vorhofflimmern

Ein Vorhof gerät selten ohne Vorgeschichte ins Flimmern. Was sich als plötzliche Rhythmusstörung bemerkbar macht, ist meist der sichtbare Punkt einer Entwicklung, die lange vorher begonnen hat — im Gewebe des Vorhofs, im Stoffwechsel, im Zusammenspiel von Druck, Entzündung und Nervensteuerung. Vorhofflimmern ist die häufigste anhaltende Herzrhythmusstörung, und für sich genommen ist es selten unmittelbar gefährlich. Aufschlussreich ist es dennoch, denn es sagt etwas über den Zustand des Herzens und des Körpers, in dem es schlägt.

Manche Menschen spüren es unmittelbar: ein Stolpern, ein Jagen des Herzens, Druck auf der Brust, Schwindel. Andere bemerken nichts, und das Flimmern wird zufällig entdeckt. Diese stille Form ist die heiklere — nicht weil sie schwerer wöge, sondern weil sie unbehandelt bleibt, solange niemand von ihr weiß.

Warum der Vorhof flimmert

Hinter dem Flimmern steht in aller Regel ein langsamer Umbau des Vorhofgewebes. Muskel weicht Narbe, die elektrische Leitung wird ungleichmäßig, und auf diesem veränderten Grund entstehen die kreisenden Erregungen, die den Takt zerfallen lassen. Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, dass ein Vorhof flimmert, sondern warum sich sein Gewebe verändert hat.

Eine der aufschlussreichsten Antworten liegt unmittelbar auf dem Herzen — wörtlich. Das epikardiale Fett, die Fettschicht, die dem Herzmuskel direkt aufliegt, ist kein träger Speicher, sondern ein stoffwechselaktives Organ. Es gibt entzündliche Botenstoffe ab, die das benachbarte Vorhofgewebe umbauen und vernarben lassen. Und in genau dieser Schicht verlaufen die autonomen Nervengeflechte, die den Herzrhythmus mitregulieren. Auf engstem Raum berühren sich hier drei Dinge, die man üblicherweise getrennt betrachtet: Stoffwechsel, Entzündung und die elektrische Steuerung des Herzens. Wer das Vorhofflimmern verstehen will, kommt an diesem Ort nicht vorbei.

Um dieses Zentrum ordnen sich die übrigen Treiber: ein dauerhaft erhöhter Blutdruck, der die Vorhöfe weitet; ein gestörter Zuckerstoffwechsel; oxidativer Stress, ein Übermaß zellschädigender Prozesse; ein vegetatives Nervensystem aus dem Gleichgewicht. Keiner dieser Faktoren wirkt allein, und kaum einer zeigt sich im EKG. Gemeinsam aber formen sie den Boden, auf dem das Flimmern gedeiht.

Dass dieser Blick auf die Ursachen kein Sonderweg ist, zeigen die aktuellen Leitlinien selbst: Sie stellen die Behandlung der Risikofaktoren inzwischen an den Anfang jeder Vorhofflimmer-Therapie.

Das eigentliche Risiko

Die größte Gefahr des Vorhofflimmerns liegt nicht im Herzen, sondern im Gehirn. Wenn die Vorhöfe nicht mehr kräftig pumpen, kann das Blut stocken und gerinnen; ein solches Gerinnsel kann fortgeschwemmt werden und einen Schlaganfall auslösen. Das ist der Grund, warum auch ein beschwerdefreies Flimmern Beachtung verlangt. Wie hoch das Risiko im Einzelfall liegt und wie konsequent es gesenkt werden muss, lässt sich anhand etablierter Kriterien beurteilen.

Diagnostik und Einordnung

Am Anfang steht meist ein EKG. Weil das Flimmern jedoch häufig nur zeitweise auftritt, entgeht es einer einzelnen Aufzeichnung leicht; ein Langzeit-EKG über 24 Stunden oder länger fängt ein, was die Momentaufnahme verfehlt.

Damit endet die Abklärung im funktionellen Ansatz aber nicht. Erst der Blick auf die Bedingungen dahinter — Blutdruck, Stoffwechsel- und Entzündungswerte, die Schilddrüse — macht aus der Diagnose ein Verständnis: nicht nur, dass ein Vorhofflimmern vorliegt, sondern unter welchen Voraussetzungen es bei diesem Menschen entstanden ist.

Behandlung

In der Behandlung greifen mehrere Ebenen ineinander. Die erste sichert gegen den Schlaganfall, in der Regel medikamentös und abgewogen nach dem individuellen Risiko.

Die zweite stellt den Rhythmus wieder her. Hier hat sich das Feld in den letzten Jahren verschoben: Die Katheterablation gilt bei bestimmten Formen des Vorhofflimmerns heute als bevorzugtes Verfahren der Rhythmuskontrolle. Dabei werden die auslösenden elektrischen Quellen im Vorhof gezielt verödet — ein Eingriff, der als Pulmonalvenenisolation bekannt ist. Diese Eingriffe führt Dr. Anwar selbst durch.

Die dritte Ebene ist jene, die der funktionelle Ansatz nach vorn holt — und hier ist Genauigkeit eine Frage der Redlichkeit. Gesichert ist, dass die konsequente Kontrolle von Gewicht, Blutdruck, Stoffwechsel und Schlaf den Verlauf günstig beeinflusst und sogar die Erfolgsaussichten einer Ablation verbessert; die Leitlinien bestätigen es. Wie weit darüber hinaus eingegriffen wird, und an welchen der genannten Faktoren, entscheidet sich am einzelnen Befund, nicht an einem Schema. Es geht nicht darum, ein Verfahren gegen ein anderes auszuspielen, sondern dem Vorhof von beiden Seiten die besten Bedingungen zu geben — durch den Eingriff und durch die Arbeit an dem, was ihn gereizt hat.

Kontakt

Zur Abklärung eines Vorhofflimmerns — oder um eine bestehende Behandlung um die Ursachenebene zu erweitern — ist eine Terminvereinbarung telefonisch, per E-Mail an [email protected] oder über die Website möglich. Die Praxis liegt am Jungfernstieg in Hamburg und behandelt Privatversicherte und Selbstzahler.

Mehr zum grundsätzlichen Ansatz: funktionelle Kardiologie.

Verwandte Themen: Bluthochdruck · Insulinresistenz und der Stoffwechsel des Herzens

Wissenschaftliche Quellen
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