Myokarditis

Eine Myokarditis ist eine Entzündung des Herzmuskels. Sie kann harmlos verlaufen und unbemerkt ausheilen — oder den Muskel nachhaltig schädigen. Zwischen diesen beiden Polen liegt ein breites Feld, und gerade das macht sie zu einer Erkrankung, bei der genaues Hinsehen zählt.

Die Beschwerden sind oft unspezifisch und werden leicht übersehen: ein Druck oder Stechen in der Brust, Herzstolpern oder Herzrasen, ungewöhnliche Erschöpfung, Luftnot, manchmal nur ein Gefühl, dass das Herz „nicht richtig" schlägt — häufig in den Tagen oder Wochen nach einem Infekt. Weil diese Zeichen auch viele harmlose Ursachen haben können, bleibt eine Myokarditis nicht selten unerkannt.

Woher sie kommt

Die häufigste Ursache einer Myokarditis sind Viren. Eine Reihe von Erregern kann den Herzmuskel mitbetreffen, oft im Rahmen oder im Nachgang eines gewöhnlichen Infekts. Daneben gibt es nicht-virale Ursachen: bestimmte bakterielle Infektionen, Autoimmunprozesse, in denen sich das Immunsystem gegen das eigene Herzgewebe richtet, sowie seltener Medikamente und Toxine.

Der gemeinsame Nenner ist das Immunsystem. Eine Myokarditis ist selten eine direkte Zerstörung durch den Erreger allein — meist ist es die Entzündungsreaktion des Körpers, die das Herzgewebe in Mitleidenschaft zieht. Das erklärt, warum die Beschwerden oft erst nach dem eigentlichen Infekt auftreten, wenn das Immunsystem bereits auf Hochtouren läuft.

Auch im Zusammenhang mit COVID-19 ist die Myokarditis in den Blick gerückt — und zwar auf zwei Wegen, die man auseinanderhalten sollte. Zum einen kann die Infektion mit dem Virus selbst eine Herzmuskelentzündung auslösen; das ist die häufigere der beiden Konstellationen. Zum anderen wurde, selten, eine Myokarditis nach der mRNA-Impfung beobachtet, vor allem bei jüngeren Männern und meist mit mildem Verlauf. Zu den diskutierten Mechanismen zählen eine überschießende Immunreaktion und eine molekulare Ähnlichkeit zwischen Bestandteilen des Erregers und körpereigenem Gewebe; auch eine direkte Wirkung des sogenannten Spike-Proteins wird als möglicher Faktor erörtert, ist aber nicht abschließend geklärt. Über alle Altersgruppen hinweg ist das Risiko einer Herzbeteiligung durch die Infektion selbst deutlich höher als das nach einer Impfung. Wichtig ist beides nüchtern einzuordnen — ohne zu dramatisieren und ohne zu verharmlosen —, denn für die betroffene Person zählt allein, dass eine Herzmuskelentzündung erkannt und richtig begleitet wird, gleich welcher Auslöser dahintersteht.

Warum sie ernst zu nehmen ist

In den meisten Fällen heilt eine Myokarditis folgenlos aus. Doch zwei Verläufe machen sie zu einer Erkrankung, die man nicht unterschätzen darf. Zum einen kann die Entzündung den Herzrhythmus stören — von harmlosem Herzstolpern bis hin zu ernsteren Rhythmusstörungen aus den Herzkammern, die einer Überwachung bedürfen. Zum anderen kann eine Entzündung, die nicht ausheilt, sondern fortbesteht, den Herzmuskel umbauen und schwächen — und so in eine dauerhafte Herzschwäche übergehen, mitunter in das Bild einer dilatativen Kardiomyopathie. Gerade weil diese Verläufe möglich sind, ist es wichtig, eine Myokarditis zu erkennen und ihren Verlauf zu begleiten, statt die Beschwerden auf sich beruhen zu lassen.

Diagnostik und Einordnung

Der Verdacht beginnt bei den Beschwerden und ihrer zeitlichen Nähe zu einem Infekt. Das EKG kann Hinweise geben, ein Bluttest auf Herzmuskelmarker zeigt eine akute Schädigung an, und die Ultraschalluntersuchung beurteilt die Pumpfunktion. Den höchsten Stellenwert in der nicht-invasiven Abklärung hat heute das Kardio-MRT, das eine Entzündung und ihre Spuren im Gewebe sichtbar machen kann — auch dann, wenn die Pumpfunktion noch normal ist.

Im funktionellen Ansatz gehört zur Einordnung auch der Blick auf das Immunsystem und das Entzündungsgeschehen im Körper: auf Entzündungsmarker, auf Hinweise für eine fortbestehende oder autoimmune Komponente, auf den Allgemeinzustand. Denn ob eine Entzündung ausheilt oder fortbesteht, entscheidet sich nicht am Herzen allein, sondern an der Immunlage, in der sie abläuft.

Behandlung

In der akuten Phase steht Schonung an erster Stelle: Das entzündete Herz braucht Ruhe, und körperliche Belastung ist in dieser Zeit zu vermeiden — eine der wichtigsten und zugleich am häufigsten unterschätzten Maßnahmen. Darüber hinaus richtet sich die Behandlung nach dem Verlauf: Rhythmusstörungen und eine etwaige Herzschwäche werden nach den dafür etablierten Grundsätzen behandelt, und in ausgewählten, schwereren Fällen kommen entzündungshemmende Therapien zum Einsatz.

Der funktionelle Ansatz ergänzt dies um die Frage, warum die Entzündung entstanden ist und ob sie wirklich zur Ruhe gekommen ist. Wo Hinweise auf ein fortbestehendes oder fehlgeleitetes Entzündungsgeschehen bestehen, lohnt es sich, dieses im Blick zu behalten und die Erholung des Herzens über die akute Phase hinaus zu begleiten. Was im Einzelfall sinnvoll ist, ergibt sich aus den Befunden und dem Verlauf.

Kontakt

Wer nach einem Infekt anhaltende Herzbeschwerden bemerkt, eine Myokarditis abklären lassen oder ihre Ausheilung begleiten lassen möchte, ist zu einem ersten Termin eingeladen. Die Praxis liegt am Jungfernstieg in Hamburg. Eine Terminvereinbarung ist telefonisch, per E-Mail an [email protected] oder über die Website möglich.

Mehr zum grundsätzlichen Ansatz: funktionelle Kardiologie.

Verwandte Themen: Herzrhythmusstörungen · Herzschwäche

Häufige Fragen

Was sind die Symptome einer Herzmuskelentzündung?

Die Beschwerden sind oft unspezifisch: Druck oder Stechen in der Brust, Herzstolpern oder Herzrasen, ungewöhnliche Erschöpfung und Luftnot, häufig in den Tagen oder Wochen nach einem Infekt. Weil sie auch harmlose Ursachen haben können, bleibt eine Myokarditis nicht selten unerkannt.

Welche Ursachen hat eine Myokarditis?

Die häufigste Ursache sind Viren, oft im Nachgang eines Infekts. Daneben gibt es bakterielle Infektionen, Autoimmunprozesse, seltener Medikamente und Toxine. Meist ist es die Entzündungsreaktion des Körpers, die das Herzgewebe in Mitleidenschaft zieht.

Wie wird eine Myokarditis festgestellt?

Der Verdacht beginnt bei den Beschwerden und ihrer Nähe zu einem Infekt. EKG, ein Bluttest auf Herzmuskelmarker und die Ultraschalluntersuchung geben Hinweise. Den höchsten Stellenwert in der nicht-invasiven Abklärung hat das Kardio-MRT.

Was sollte man bei einer Herzmuskelentzündung beachten?

In der akuten Phase steht körperliche Schonung an erster Stelle — eine der wichtigsten Maßnahmen. Der weitere Verlauf wird ärztlich begleitet, da eine Entzündung den Rhythmus stören oder, wenn sie fortbesteht, den Herzmuskel schwächen kann.

Wissenschaftliche Quellen
  • Ammirati E, Moslehi JJ. Diagnosis and Treatment of Acute Myocarditis: A Review. JAMA. 2023;329(13):1098–1113. doi: 10.1001/jama.2023.3371
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