Herzschwäche

Der Name führt in die Irre. „Herzschwäche" klingt nach einem Herzen, das zu schwach pumpt — und manchmal ist es genau das. Doch die häufigste Form der Herzschwäche ist etwas anderes: ein Herz, das zwar kräftig genug pumpt, sich aber nicht mehr richtig entspannen und füllen kann. Und diese Form entsteht oft nicht im Herzen selbst, sondern im Stoffwechsel des ganzen Körpers.

Herzschwäche, medizinisch Herzinsuffizienz, bedeutet, dass das Herz den Körper nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt. Sie zeigt sich als Atemnot, zunächst bei Belastung, später auch in Ruhe, als Leistungsabfall, als Wassereinlagerungen in den Beinen, als nächtlicher Hustenreiz. Es ist eine der häufigsten Herzerkrankungen überhaupt, und ihre Häufigkeit steigt mit dem Alter.

Zwei Formen, zwei Geschichten

Man unterscheidet zwei Grundformen, und der Unterschied ist wesentlich.

Bei der einen ist die Pumpkraft vermindert — das Herz wirft mit jedem Schlag zu wenig Blut aus. Am häufigsten steckt eine koronare Herzkrankheit dahinter: Verengte oder verschlossene Herzkranzgefäße, oft nach einem Herzinfarkt, hinterlassen geschädigtes, vernarbtes Muskelgewebe. Daneben gibt es aber Formen, bei denen sich der Herzmuskel ohne verengte Gefäße erweitert und schwächt. Diese werden als dilatative Kardiomyopathie bezeichnet — ein Begriff, den viele Betroffene aus ihrem Arztbrief kennen. Ihre Ursachen sind vielfältig: teils erblich, teils Folge einer durchgemachten Herzmuskelentzündung, von Alkohol oder anderen Giftstoffen, von Schilddrüsen- und Stoffwechselstörungen oder von anhaltend zu schnellem Herzschlag. Diese Unterscheidung ist mehr als akademisch, denn manche dieser Ursachen sind behebbar — und wo die Wurzel behoben wird, kann sich der Herzmuskel erholen.

Insgesamt lässt sich die Form mit verminderter Pumpkraft heute medikamentös gut behandeln; es gibt bewährte Therapien, die das Leben verlängern und die Beschwerden lindern.

Die andere Form ist die häufigere und die rätselhaftere: Hier ist die Pumpkraft erhalten, doch das Herz ist steif geworden und füllt sich schlecht. Sie betrifft mehr als die Hälfte aller Patienten mit Herzschwäche — und für sie greifen die klassischen Herzmedikamente nur begrenzt. Gerade hier lohnt der Blick auf die Ursachen umso mehr.

Warum das Herz nachlässt

Beide Formen haben einen Anschluss an die Ursachen — und gerade die Frage nach dem Warum entscheidet oft über den Verlauf.

Die steife Form versteht man heute weitgehend neu. Galt sie früher vor allem als Folge des Bluthochdrucks, sieht man sie heute zunehmend als das, was sie bei vielen Menschen ist: die Manifestation eines systemischen Geschehens am Herzen. Übergewicht, Insulinresistenz, Diabetes und metabolisches Syndrom erzeugen einen Zustand stiller, körperweiter Entzündung — und diese Entzündung erreicht über die kleinsten Gefäße auch das Herz. Der Weg dorthin führt wieder über das Endothel, die Innenauskleidung eben dieser kleinsten Gefäße. Unter dem Einfluss der Entzündung produziert es weniger Stickstoffmonoxid, den Stoff, der dem Herzmuskel signalisiert, geschmeidig zu bleiben. Fehlt dieses Signal, versteift sich das Gewebe und verliert seine Dehnbarkeit.

Die schwache Form wurzelt häufig in der Gefäßverkalkung — und damit in genau den Treibern, die auch die koronare Herzkrankheit antreiben. Wo sie hingegen nicht von den Gefäßen ausgeht, wie bei der dilatativen Kardiomyopathie, lohnt die gezielte Suche nach einer behebbaren Ursache besonders: ein zu hoher Alkoholkonsum, eine überstandene Herzmuskelentzündung, eine Schilddrüsenstörung, ein dauerhaft zu schneller Puls oder ein Nährstoffmangel können den Muskel schwächen — und ihr Erkennen eröffnet die Chance, gegenzusteuern.

So fügt sich ein vertrautes Bild zusammen. Dieselben Faktoren, die den Blutdruck treiben, die Gefäße verkalken und den Stoffwechsel stören, finden sich auch hier — einmal lassen sie das Herz steif werden, einmal schwächen sie seinen Muskel. Die Herzschwäche ist in diesem Sinne oft weniger eine isolierte Herzkrankheit als der Punkt, an dem ein belasteter Körper am Herzen sichtbar wird.

Ein Wort zur Energie des Herzmuskels

Der Herzmuskel ist das energiehungrigste Organ des Körpers — er schlägt ohne Pause und braucht dafür unablässig Brennstoff. Eine Schlüsselrolle spielt dabei Coenzym Q10, ein Stoff, der in den Mitochondrien die Energiegewinnung antreibt. Bei Herzschwäche sind die Q10-Spiegel im Herzmuskel oft erniedrigt.

Hier ergibt sich ein Zusammenhang, der gerade für viele Herzpatienten relevant ist: Statine, die zur Senkung des Cholesterins weit verbreitet und bei der koronaren Herzkrankheit wichtig sind, hemmen denselben Stoffwechselweg, über den der Körper auch Q10 herstellt — und senken dessen Spiegel nachweislich. Was das für den Einzelnen bedeutet, ist Gegenstand der Forschung; eine größere Studie deutet einen möglichen Nutzen einer Q10-Ergänzung bei Herzschwäche an, doch die Datenlage ist nicht eindeutig, und die Leitlinien führen Q10 nicht als Standardtherapie.

Wichtig ist die richtige Einordnung: Statine bleiben eine wirksame und oft unverzichtbare Behandlung — niemand sollte sie eigenmächtig absetzen. Der Q10-Gedanke ist kein Gegenargument, sondern eine Frage, die sich im Einzelfall begleitend stellen lässt. Genau das ist der funktionelle Blick: nicht nur das Medikament zu geben, sondern auch zu bedenken, was es im Stoffwechsel nach sich zieht.

Warum sie ernst zu nehmen ist

Herzschwäche ist eine fortschreitende Erkrankung, und sie schränkt die Lebensqualität erheblich ein. Unbehandelt nehmen Atemnot und Erschöpfung zu, die Belastbarkeit sinkt, und es drohen Krankenhausaufenthalte wegen akuter Verschlechterung. Früh erkannt und konsequent behandelt, lässt sich der Verlauf jedoch deutlich günstig beeinflussen — und genau deshalb zählt jeder Befund, der früh Klarheit schafft.

Diagnostik und Einordnung

Die Basis bilden die Ultraschalluntersuchung des Herzens, die Pumpkraft und Füllung beurteilt, ein Bluttest auf einen Marker der Herzbelastung sowie das EKG. Gemeinsam klären sie, ob eine Herzschwäche vorliegt und um welche Form es sich handelt.

Im funktionellen Ansatz reicht die Abklärung weiter — gerade bei der Form mit erhaltener Pumpfunktion. Denn wenn ein metabolisch-entzündliches Geschehen das Herz versteift, gehört der Blick auf eben dieses Geschehen: auf den Zuckerstoffwechsel und die Insulinempfindlichkeit, auf Entzündungsmarker, auf das Gewicht und seine Verteilung, auf die Begleiterkrankungen. Und wo eine schwache Pumpfunktion ohne klare Gefäßursache vorliegt, gehört die gezielte Suche nach behebbaren Auslösern dazu — von der Schilddrüse über den Alkoholkonsum bis zu Nährstoffmängeln. So entsteht ein Bild davon, was das Herz im Einzelfall belastet.

Behandlung

Die Behandlung richtet sich nach der Form. Bei verminderter Pumpkraft stehen wirksame, leitliniengerechte Medikamente im Vordergrund, die nachweislich den Verlauf verbessern — sie sind die Grundlage und unverzichtbar. Wo eine behebbare Ursache zugrunde liegt, kommt deren gezielte Behandlung hinzu, die den Muskel sich erholen lassen kann. Auch bei erhaltener Pumpfunktion gibt es heute eine Medikamentengruppe mit belegtem Nutzen, und die konsequente Behandlung der Begleiterkrankungen ist hier von zentraler Bedeutung.

Hier setzt der funktionelle Ansatz an, und bei der steifen Form mit besonderem Gewicht. Weil diese so eng mit dem Stoffwechsel verwoben ist, ist die Arbeit an den Ursachen — Gewicht, Insulinresistenz, Entzündung, Blutdruck — kein Beiwerk, sondern oft der wirksamste verfügbare Hebel. Gesichert ist, dass Gewichtsabnahme und körperliche Aktivität bei dieser Form die Beschwerden und die Belastbarkeit verbessern können. Was darüber hinaus im Einzelfall sinnvoll ist, ergibt sich aus den Befunden. Das Ziel ist, dem Herzen die Last zu nehmen, die es belastet hat — und das gelingt selten allein im Herzen.

Kontakt

Wer eine Herzschwäche abklären lassen oder eine bestehende Behandlung um den Blick auf die zugrunde liegenden Ursachen erweitern möchte, ist zu einem ersten Termin eingeladen. Die Praxis liegt am Jungfernstieg in Hamburg. Eine Terminvereinbarung ist telefonisch, per E-Mail an [email protected] oder über die Website möglich.

Mehr zum grundsätzlichen Ansatz: funktionelle Kardiologie.

Verwandte Themen: koronare Herzkrankheit · Bluthochdruck · Insulinresistenz und Stoffwechsel

Häufige Fragen

Was sind die Anzeichen einer Herzschwäche?

Typisch sind Atemnot, zunächst bei Belastung und später in Ruhe, nachlassende Leistungsfähigkeit, Wassereinlagerungen in den Beinen und nächtlicher Hustenreiz. Weil diese Zeichen sich langsam entwickeln, werden sie anfangs oft übersehen.

Welche Formen der Herzschwäche gibt es?

Man unterscheidet die Form mit verminderter Pumpkraft, oft nach Durchblutungsstörungen oder als dilatative Kardiomyopathie, und die häufigere Form mit erhaltener Pumpkraft, bei der das Herz steif geworden ist. Beide werden unterschiedlich behandelt.

Was hat der Stoffwechsel mit Herzschwäche zu tun?

Die häufige steife Form der Herzschwäche gilt heute als wesentlich metabolisch-entzündlich geprägt: Übergewicht, Insulinresistenz und Diabetes fördern eine Entzündung, die über die kleinsten Gefäße auch das Herz erreicht und es versteifen lässt.

Haben Statine und Coenzym Q10 einen Zusammenhang bei Herzschwäche?

Statine hemmen denselben Stoffwechselweg, über den der Körper auch Coenzym Q10 bildet, und senken dessen Spiegel. Ob eine Q10-Ergänzung bei Herzschwäche nützt, ist Gegenstand der Forschung und nicht eindeutig belegt. Statine sind wichtig und sollten nicht eigenmächtig abgesetzt werden.

Wissenschaftliche Quellen
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