Herzrhythmusstörungen

Das Herz schlägt im Lauf eines Lebens rund drei Milliarden Mal — meist in einem Takt, den wir nie bemerken. Dass dieser Takt gelegentlich stolpert, aussetzt oder kurz rast, ist häufig und meistens harmlos. Manche Rhythmusstörungen aber sind ein Hinweis auf eine Erkrankung des Herzens, und einige wenige sind ernst. Die eigentliche Aufgabe ist deshalb nicht, jede Unregelmäßigkeit zu behandeln, sondern die harmlose von der bedeutsamen zu unterscheiden.

Wie ein Herzschlag entsteht

Der Takt des Herzens entsteht in einem körpereigenen Taktgeber, dem Sinusknoten im rechten Vorhof. Von dort läuft ein elektrischer Impuls über ein feines Leitungssystem geordnet durch das Herz und lässt es im richtigen Moment zusammenziehen. Eine Rhythmusstörung entsteht, wenn dieser Ablauf gestört ist — wenn der Taktgeber zu schnell oder zu langsam arbeitet, wenn Impulse an falscher Stelle entstehen oder wenn die Leitung ins Stocken gerät.

Die wichtigsten Formen

Grob lassen sich Rhythmusstörungen auf zwei Weisen ordnen. Nach dem Tempo: Ein zu schneller Herzschlag heißt Tachykardie, ein zu langsamer Bradykardie, ein unregelmäßiger wird allgemein als Arrhythmie bezeichnet. Und nach dem Ursprungsort: Entsteht die Störung in den Vorhöfen, spricht man von supraventrikulären, entsteht sie in den Herzkammern, von ventrikulären Rhythmusstörungen.

Am häufigsten sind Extrasystolen — einzelne zusätzliche Schläge, die als Herzstolpern oder Aussetzer wahrgenommen werden. Sie treten bei nahezu jedem Menschen auf und sind in aller Regel ungefährlich. Das bedeutet jedoch nicht, dass man sie einfach hinnehmen muss: Wenn sie sich häufen oder als belastend empfunden werden, gehören sie abgeklärt — und lassen sich, wo nötig, auch behandeln.

Bei den schnellen Rhythmusstörungen aus den Vorhöfen gibt es mehrere Formen — vom Vorhofflattern über die anfallsartigen supraventrikulären Tachykardien, die häufig schon bei jüngeren, herzgesunden Menschen auftreten, bis zum Vorhofflimmern. Sie unterscheiden sich in ihrem Mechanismus, ihren Beschwerden und ihren Risiken zum Teil erheblich und verlangen jeweils eine eigene Beurteilung. Das Vorhofflimmern ist dabei die häufigste anhaltende Rhythmusstörung und auf einer eigenen Seite ausführlich beschrieben.

Seltener, aber ernster sind bestimmte Rhythmusstörungen aus den Herzkammern, die einer raschen Abklärung bedürfen. Und auf der anderen Seite des Spektrums steht der zu langsame Herzschlag, der bei Beschwerden manchmal einen Herzschrittmacher nötig macht.

Wann es harmlos ist — und wann nicht

Die meisten gelegentlichen Unregelmäßigkeiten sind ungefährlich. Aufmerksamkeit ist jedoch geboten, wenn Herzstolpern oder Herzrasen neu auftritt und anhält, wenn es mit Schwindel, Atemnot, Druck auf der Brust oder gar einer kurzen Bewusstlosigkeit einhergeht, oder wenn es sich häuft. Solche Zeichen bedeuten nicht zwangsläufig etwas Ernstes — aber sie gehören abgeklärt, weil sich hinter ihnen eine behandelbare Ursache verbergen kann.

Der Blick über das Herz hinaus

Eine Rhythmusstörung entsteht oft nicht im Herzen allein. Der Takt jeder einzelnen Herzzelle hängt von einem fein abgestimmten Spiel elektrisch geladener Teilchen ab, die durch winzige Kanäle in der Zellwand strömen — Natrium, Kalium, Kalzium, Magnesium. Gerät dieses Gleichgewicht durcheinander, wird die Zelle elektrisch instabil, und genau hier setzen viele äußere Einflüsse an.

Der Mineralhaushalt ist das deutlichste Beispiel. Magnesium etwa ist an Hunderten enzymatischer Vorgänge beteiligt und stabilisiert unmittelbar die elektrische Erregbarkeit der Herzzelle; ein Mangel kann den Rhythmus messbar anfälliger machen. Ähnliches gilt für Kalium. Auch das vegetative Nervensystem greift hier ein: Stress, Schlafmangel und eine dauerhafte Übererregung des sympathischen Nervs verschieben das elektrische Gleichgewicht und können Rhythmusstörungen begünstigen. Und selbst stille Entzündungsprozesse im Körper wirken auf dieselbe Endstrecke — entzündliche Botenstoffe verändern nachweislich die Funktion eben jener Ionenkanäle, die den Herztakt bestimmen.

So unterschiedlich diese Auslöser wirken, sie treffen sich an einem Punkt: der elektrischen Stabilität der Herzzelle. Genau das ist der Ansatz des funktionellen Blicks. Wo eine Rhythmusstörung wiederkehrt, lohnt es sich, nicht nur das Herz selbst zu untersuchen, sondern auch die Bedingungen, unter denen es arbeitet — den Mineral- und Elektrolythaushalt, die Schilddrüse, den Stoffwechsel, das Gleichgewicht des Nervensystems. Nicht jede Rhythmusstörung hat eine solche Wurzel. Wo sie aber besteht, eröffnet ihre Behandlung einen zusätzlichen Weg, der über die reine Rhythmuskontrolle hinausgeht.

Diagnostik und Einordnung

Das wichtigste Werkzeug ist das EKG, das den elektrischen Ablauf des Herzens sichtbar macht. Weil viele Rhythmusstörungen nur zeitweise auftreten, ist oft ein Langzeit-EKG nötig, das den Herzschlag über einen oder mehrere Tage aufzeichnet. Ergänzend klären eine Ultraschalluntersuchung des Herzens und gezielte Laborwerte, ob eine strukturelle Herzerkrankung oder eine Störung außerhalb des Herzens zugrunde liegt.

Behandlung

Ob und wie eine Rhythmusstörung behandelt wird, hängt ganz von ihrer Art ab. Viele harmlose Formen brauchen nichts als die Gewissheit, dass sie harmlos sind — stören sie jedoch den Alltag, lässt sich auch dann etwas tun. Andere lassen sich medikamentös führen. Bei bestimmten anhaltenden Rhythmusstörungen ist die Katheterablation das Mittel der Wahl, bei der die auslösende elektrische Quelle im Herzen gezielt verödet wird; diese Eingriffe führt Dr. Anwar selbst durch. Ein zu langsamer Herzschlag wiederum lässt sich mit einem Herzschrittmacher zuverlässig beheben.

Welche Behandlung im Einzelfall die richtige ist, hängt von der genauen Form der Rhythmusstörung, von möglichen Begleitrisiken und von den Beschwerden ab — und wird individuell entschieden.

Kontakt

Wer eine Rhythmusstörung abklären lassen oder einer wiederkehrenden Störung auf den Grund gehen möchte, ist zu einem ersten Termin eingeladen. Die Praxis liegt am Jungfernstieg in Hamburg und behandelt Privatversicherte und Selbstzahler. Eine Terminvereinbarung ist telefonisch, per E-Mail an [email protected] oder über die Website möglich.

Mehr zu einer besonders häufigen Form: Vorhofflimmern. Mehr zum grundsätzlichen Ansatz: funktionelle Kardiologie.

Wissenschaftliche Quellen
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  • Tse G, Yan BP. Traditional and novel electrocardiographic conduction and repolarization markers of sudden cardiac death. Europace. 2017;19(5):712–721. doi: 10.1093/europace/euw280