Die etablierte Herzmedizin behandelt die Erkrankung mit Medikamenten und Eingriffen, deren Nutzen belegt ist. Sie bildet das Fundament jeder Behandlung. Die funktionelle Kardiologie fragt zusätzlich nach dem Warum, also nach den Ursachen, die einer Herzerkrankung oft lange vorausgehen: chronische Entzündung, oxidativer Stress, Insulinresistenz, eine aus dem Takt geratene autonome Regulation, ein geschwächter Energiestoffwechsel der Zelle. Auch das Darmmikrobiom, der Schlaf und eine unerkannte Schlafapnoe, stille chronische Infektionen und der Hormonhaushalt können das Herz aus dem Gleichgewicht bringen. An diesen Stellschrauben setzen die funktionellen Therapien dieser Praxis an. Viele von ihnen wirken auf den gesamten Organismus; auf dieser Seite stehen sie aus funktionell-kardiologischer Sicht im Vordergrund, mit Blick darauf, an welcher Ursache der Herz- und Gefäßerkrankung sie jeweils ansetzen. Sie ergänzen die etablierte Behandlung und ersetzen sie nicht. Ihr Einsatz stützt sich auf ein nachvollziehbares biologisches Wirkprinzip und auf die Erfahrung in der Anwendung; angeboten werden sie als erfahrungsbasierte Selbstzahlerleistung.
Ob und welche dieser Verfahren im Einzelfall sinnvoll sind, ergibt sich aus dem individuellen Befund und aus dem Ursachenprofil, das die funktionelle Diagnostik erhebt. Ein erhöhter Entzündungs- oder oxidativer Status, eine eingeschränkte Belastbarkeit oder eine aus dem Gleichgewicht geratene autonome Regulation sind Stellschrauben, an denen der funktionelle Blick ansetzt, und damit der Anlass, über eine ergänzende Therapie nachzudenken.
Bei orthomolekularen Infusionen werden Mikronährstoffe wie bestimmte Vitamine, Spurenelemente und Aminosäuren direkt über die Vene zugeführt. Über den Darm ist die Aufnahmemenge mancher Stoffe begrenzt, während die Infusion Spiegel im Blut erreichen kann, die oral nicht zu erzielen sind. Im funktionell-kardiologischen Blick geht es dabei um zwei Ursachen, die einer Herzschwäche vorausgehen können: die Energieversorgung des Herzmuskels, der als Dauerleistungsorgan einen enormen Substratbedarf hat, und seine Abwehr gegen oxidativen Stress. Die Zusammensetzung richtet sich nach dem individuellen Befund. Die Anwendung beruht auf einem physiologischen Wirkprinzip und auf ärztlicher Erfahrung.
Nahrungsergänzungsmittel werden im funktionell-kardiologischen Vorgehen gezielt eingesetzt, auf Grundlage dessen, was die Diagnostik tatsächlich zeigt. Ein niedriger Omega-3-Index, ein Mangel an Magnesium, Vitamin D oder bestimmten B-Vitaminen, ein erhöhter Homocysteinwert oder ein unter Statintherapie absinkender Coenzym-Q10-Spiegel sind messbare Befunde, die den Anlass geben, einen Stoff überhaupt und in der passenden Dosierung zu ergänzen. Jeder dieser Faktoren hat einen nachvollziehbaren Bezug zum Herz-Kreislauf-System, von der Bedeutung der Omega-3-Fettsäuren für Entzündung und Rhythmus bis zur Rolle des Coenzyms Q10 im Energiestoffwechsel des Herzmuskels.
Mindestens ebenso wichtig wie die Auswahl ist die Begleitung: die richtige Dosis, die Qualität des Präparats, mögliche Wechselwirkungen mit der bestehenden Medikation und die Kontrolle im Verlauf. Gerade weil Nahrungsergänzungsmittel frei verkäuflich sind, unterscheidet die ärztliche Begleitung eine gezielte Therapie von einer ungeprüften Selbstmedikation. Sie versteht sich als Ergänzung einer gesunden Ernährung und der etablierten Behandlung.
Die Chelat-Therapie nutzt eine Substanz, meist EDTA, die über die Vene zugeführt wird und im Blut bestimmte Metallionen sowie Kalzium binden und ausleiten kann. Für das Herz-Kreislauf-System ist das aus zwei Gründen von Interesse: Kalzium ist ein Baustein arteriosklerotischer Ablagerungen, und zweiwertige Metalle wie Eisen und Kupfer befeuern den oxidativen Stress, der die Gefäßwand schädigt. Indem die Chelat-Therapie an diesen Faktoren ansetzt, richtet sie den Blick auf das Milieu, in dem die Gefäßverkalkung entsteht und fortschreitet, an den Herzkranzgefäßen ebenso wie an den Gefäßen des übrigen Körpers. Das entspricht dem funktionellen Verständnis der Arteriosklerose als aktivem, von Entzündung und oxidativem Stress getriebenem Prozess und nicht allein als Frage des Cholesterins.
Wissenschaftlich ist das Verfahren eingehender untersucht worden als die meisten anderen ergänzenden Verfahren. Die große, placebokontrollierte TACT-Studie prüfte die EDTA-Chelat-Therapie bei Patienten nach einem Herzinfarkt und fand Hinweise auf einen möglichen Nutzen, besonders ausgeprägt bei Menschen mit Diabetes. Diese Ergebnisse werden in der Fachwelt diskutiert und sind nicht Teil der kardiologischen Standardtherapie. In dieser Praxis wird die Chelat-Therapie auf Basis dieses Wirkprinzips und nach sorgfältiger individueller Abwägung ausschließlich ergänzend eingesetzt.
Die Intervall-Hypoxie-Hyperoxie-Therapie, kurz IHHT, arbeitet mit dem Wechsel von sauerstoffärmerer und sauerstoffreicherer Atemluft, die der Patient in Ruhe über eine Maske einatmet. Das Prinzip ist dem Höhentraining entlehnt: Der wiederholte, kontrollierte Sauerstoffwechsel soll die Mitochondrien, die Kraftwerke der Zellen, zu Anpassung und Erneuerung anregen. Im Blick steht damit der Energiestoffwechsel der Zelle, ein Kerngedanke der funktionellen Kardiologie, die in der nachlassenden zellulären Energiegewinnung eine Ursache vieler Herz-Kreislauf-Erkrankungen und der Leistungsminderung im Alter sieht. Gerade der dauerbelastete Herzmuskel ist auf einen leistungsfähigen Energiestoffwechsel angewiesen. Die Methode ist gut verträglich, wird in Ruhe durchgeführt und in dieser Praxis als ergänzendes Verfahren auf Basis ihres Wirkprinzips eingesetzt.
Das vegetative Nervensystem steuert Herzfrequenz, Blutdruck und die Erregbarkeit des Herzens, ohne dass wir es bewusst beeinflussen. Gerät es mit einem Übergewicht des aktivierenden Sympathikus aus dem Gleichgewicht, begünstigt das Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen. Im funktionellen Blick ist diese gestörte autonome Balance eine der Ursachen solcher Beschwerden und nicht nur ihre Begleiterscheinung. Hier setzt die Stimulation des Vagusnervs an, des wichtigsten Nervs des beruhigenden Parasympathikus. Über eine sanfte Reizung von außen, etwa an dafür geeigneten Punkten am Ohr, soll der parasympathische Anteil gestärkt und die autonome Balance gefördert werden. Der Ansatz ist mechanistisch nachvollziehbar und Gegenstand wachsender Forschung; als ergänzende Maßnahme zielt er darauf, das Gleichgewicht zu unterstützen, in dem das Herz ruhiger arbeitet.
Diese Verfahren ersetzen die etablierte Behandlung nicht, sondern ergänzen sie, und ihr Einsatz setzt eine sorgfältige individuelle Abwägung voraus. In welchem Fall sie sinnvoll sind und welches Ziel sich mit ihnen verbinden lässt, ist Gegenstand des ärztlichen Gesprächs.
Wer sich für eine ergänzende Therapie interessiert oder klären möchte, ob sie zur eigenen Situation passt, ist zu einem Gespräch eingeladen. Termine lassen sich telefonisch, per E-Mail an [email protected] oder über die Website vereinbaren.
Verwandte Themen: funktionelle Diagnostik, koronare Herzkrankheit, Herzschwäche, Begleitung bei bestehender Herzerkrankung.